Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

25

wohlklingende, dasliebliche Teutſch*) redete, das da⸗ mals für die höhern Klaſſen eine faſt fremde Sprache zu nennen war; ſo bediente ſich doch der Hof namentlich nur des Franzöſiſchen, und ein deutſches Theater exiſtirte nicht einmal. Ebenſo wie die römiſchen Kaiſer am liebſten griechiſch ſprachen, während Schriftſteller und Dichter jenes ſchöne Latein ſchrieben, das noch heute unſerer Ju⸗ gend zur Vorbildung der Sprache dient; ebenſo miß⸗ achteten deutſche Fürſten das Deutſche, zur Zeit, wo un⸗ ſere Literatur ihrem Glanzpunkte entgegen ſtrebte.

Maria Antonia Walpurgis, auferzogen für den Cultus der ſchönen Künſte, freute ſich die deutſche Stadt zu betreten, wo jene ſich eine Heimath gegründet. Als nahe Verwandte des ſächſiſchen Fürſtenhauſes, war ſie vertraut mit Allem, was die Hofhaltung Auguſt's III. betraf, und auch ohne ihre Tante, die Churfürſtin, perſön⸗ lich zu kennen, war ſie durch die Beſchreibungen ihrer Mutter hinlänglich mit ihrem Weſen und ihren Eigen⸗ thümlichkeiten vertraut, um ſogleich mit Sicherheit in die rechte Stellung zu ihr treten zu können. Sie kannte vor allem den Stolz der Churfürſtin von Sachſen auf die Abkunft von der öſterreichiſchen Kaiſerfamilie, eine Schwäche, die ſie mit ihrer Schweſter, der verwitweten

Churfürſtin von Baiern an ihre Tochter Maria Antvnia.