Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
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zu ſehen, das ſie geboren hat, und dem eigenen Herzen bei der Wahl eines Gatten keine Stimme zugeſtehen zu dürfen. Sie werden früh daran gewöhnt, ſich als für den Staat geſchaffen, ſich als Mittel in der Hand der Vor⸗ ſehung zu betrachten, wodurch ihre unerforſchlichen Wege erfüllt, deren großen Zwecke erreicht werden ſollen. Das Schickſal fordert von ihnen das Opfer ihrer Perſon und ſie unterwerfen ſich ſeinem mächtigen Ausſpruche.

Maria Antonia Walpurgis, Churprinzeſſin von Baiern und Enkelin Kaiſer Joſef's I., befand ſich jetzt auf dem Wege, ihre Beſtimmung als Fürſtentochter zu erfüllen.

Leichten Herzens wandelte ſie die uns herbe ſchei⸗ nende Bahn; denn ſie bildete ſich ein, den Churprinzen von Sachſen, den ſie nie geſehen, dem ſie aber durch Pro⸗ curation ſchon vermählt war, zu lieben. Sie hatte in leb⸗ haftem Briefwechſel mit ihm geſtanden, und aus ſeinen Worten ſein ſchönes Gemüth, ſeine edle Geſinnung ken⸗ nen gelernt; im Vertrauen darauf reiſte ſie ihm jetzt muthig entgegen.

Er iſt nicht ſchön, er beſitzt einen ſchwachen Körper, er hat lahme Füße*), ſagte ſie ſich; aber er iſt ein guter Menſch, er wird mich lieben lernen und mir ein treuer Gatte ſein. Ich werde dereinſt durch ihn und mit ihm

*) Weber, Maria Antonia Walpurgis.