Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

246

er nun ein Päckchen aus ſeiner Taſche, und ſagte

langſam:

„Wenn die in meinem Beſitze befindlichen Docu⸗ mente nicht trügen: ſo iſt Kuno von Rheinfeld gleich nach der Geburt geſtorben; an ſeine Stelle aber das Kind ſeiner Amme gelegt worden. Beſtehen Sie nun noch darauf, dem Sohne der Baronin Thorilde ſein Erbe ſtreitig zu machen?“

Er war todtenbleich, dann dunkelroth geworden und von ſeinem Sitze aufgeſprungen; mühſam rang er nach Faſſung. So wie er einigermaßen ſeiner ſelbſt Herr ge⸗ worden, wandte er ſich dem Anwalt wieder zu und ſagte, die Lippen zuſammengepreßt:„Ich darf wohl erfahren, wie Sie zu ſolchen Beweisſtücken gelangten?“

„Ein Geheimniß daraus zu machen iſt mir nicht anempfohlen,“ entgegnete dieſer kühl.„Warum ſollte ich Ihnen alſo nicht eingeſtehen, daß der alte Traugott auf ſeinem Sterbebette ſeine junge Herrin, der er von Her⸗ zen zugethan war, damit beſchenkte?“

„Alſo daher kommt der Schlag!“ rief er ſeinen Platz wieder einnehmend.„Der Alte war mir niemals wohl geſinnt. Ich hatte natürlich keine Ahnung davon, daß ich nicht wirklich der ſei, für den man mich erzog, bis ich heranwuchs, und eines Tages an das Sterbe⸗ lager meiner Amme gerufen— der ich übrigens ſehr

anhing— dieſe ihr Gewiſſen durch die Mittheilung, daß

—„„————,