Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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„In Wien?“ ſchrie Thorilde auf, und in ihrer Beſtür⸗ zung wäre das Kind beinahe von ihren Knieen geglitten. Sie ergriff eine auf dem Tiſche ſtehende Schelle und bewegte ſie heftig; eine Dienerin erſchien, und ſie legte das Kind in deren Arme; dann wandte ſie ſich erregt gegen Ludolf zu⸗ rück, faßte ſeine Hand und ſagte mit faſt athemloſer Haſt:„Wie kam mein Vormund nach Wien?— Wie kamſt Du zu ihm?“

„Da haſt Du es nun,“ gab dieſer zurück.„Ich wollte Dir nichts davon ſagen; ich hatte verſprochen, ſo lange Dir die Gemüthsbewegung ſchaden könnte, zu ſchweigen; aber Du willſt es ja! Du haſt an mir gezerrt, bis es herauskam. Ich waſche meine Hände in Unſchuld, wenn Du nun dadurch leideſt.“

„Ich bitte Dich, Ludolf, rede!“ fiel ihm Thorilde in das Wort.„Weshalb kam mein Vormund nach Wien? Deinetwegen? Sage: Deinetwegen? Und wer veranlaßte ihn zu kommen?“ Sie ſprach mit großer Heftigkeit und zitterte.

„Ich ſage Dir kein Wort mehr! Von mir erfährſt Du nichts. Du biſt ja jetzt ſchon außer Dir, wie würdeſt Du es ertragen, wenn Du das Ganze hörteſt?“

„Was iſt es denn, was iſt es?“ rief die junge Frau, und legte beide Hände auf die Schultern des Gatten, ihm voll in das Auge zu ſchauen.„Ich fordere von Dir Wahrheit, Ludolf, Du biſt ſie mir ſchuldig. Was hat