29
wieder im Wagen ſaßen.„Die Leute gehen leicht in ihren Anforderungen an unſere Zeit und unſere Theilnahme zu weit, und zwingen uns dadurch ſchließlich zu abwehrender Kälte.“
„Ich finde es ſchön, daß ſie ſich mit ſolchem Vertrauen zu uns wenden,“ erwiederte Thorilde beſcheiden.„Gebe Gott mir nur die Einſicht, um ihnen, wenn ſie es bedürfen, mit Rath und That beiſtehen zu können, es iſt ja das Ein⸗ zige, womit man vor dem Schickfale ſeine bevorzugte Stel⸗ lung rechtfertigen kann.“
„Liebe Tochter, Sie ſprechen ja wie eine kleine Demo⸗ kratin!“ warf der Baron ſcherzend hin.
Thorilde erröthete.
„Ich weiß nicht, was Sie darunter verſtehen, lieber Papa! denn in der Politik bin ich gar nicht zu Hauſe,“ fagte ſie ſanft.„Ich glaubte nur dem chriſtlichen Gebote nach zu reden: darum diene Deinem Nächſten gern, denn wir ſind Alle Brüder.“
Frau von Gasmund ſah ihre Tochter verwundert an.
„Doch mit einigem Unterſchiede Brüder,“ verſetzte der Baron in väterlich belehrendem Tone.„Denn wären wir nicht ungleich geboren, ſo fiele aller Standesunterſchied weg; die Demokraten aber wollen uns die Geburt nicht anrechnen und nur dem Verdienſte die Auszeichnung gön⸗ nen. Geſtatteten wir das, ſo kämen wir um unſere ganzen Prärogative.“


