Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

25

bar, ein friſcher Luftzug kühlte dann und wann auch noch die Atmoſphäre; zu ihren Füßen tauchte bei jeder Krüm⸗ mung des Weges der Rhein auf, und ſelbſt die auf und ab fliegenden Dampfſchiffe konnte man mit bloßem Auge unterſcheiden. Thorilde beſaß ſehr viel Schönheitsſinn, der Reiz dieſer Landſchaft füllte ſie daher mit ungeheucheltem Entzücken; Ludolf aber freuete ſich nur, weil es ihr gefiel, und er die Gegend gleichſam, wie ſeinem väterlichem Erbe zugehörend, betrachtete. Ihr Lob klang ihm daher wie eine Schmeichelei, es that ihm wohl ihr auch dies Zubehör zu

ſeinen Beſitzungen noch bieten zu können. Jetzt bogen ſie ab in den Wald, an deſſen anderer Seite, in einem Thale, der dem Schloſſe zugehörende Pacht⸗ hof lag. Thorilde ahnte nicht, daß man ihr Kommen hier angemeldet und ihr einen feierlichen Empfang vorbereitet hatte; ſie erglühte daher vor Ueberraſchung, als an dem mit Blumengehängen verzierten Thore die ganze feſtlich ge⸗ kleidete Schuljugend des Dorfes ſie mit einem feierlichen Geſange begrüßte, welchen der Lehrer mit einer Anrede . begleitete, die Wünſche für das Fortbeſtehen der Familie Rheinfeld enthielt. Am Schluſſe überreichte er ihr ein großes Bouguet. Sie nahm dies unter hervorſtürzenden

e u Thränen entgegen; und konnte in ihrer tiefen Bewegung n nur nicken und ihren Dank lächeln. Ludolf ſah ſie ver⸗

wundert an. Er hatte gedacht, daß ſie ſich freuen würde, und ſie weinte. Auch Frau von Gasmund begriff ihr Be⸗

——