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die Gedanken der Menſchen auf ihrem Geſichte zu leſen, macht keine Freude.“
Frau von Gasmund wollte ſagen:„Und das können Sie?“ allein ſie hielt das Wort noch auf der Lippe zurück und erwiederte ausweichend:„Zum Glicke verſpricht uns der Fortſchritt der Naturwiſſenſchaften Entdeckungen, welche jedes Dunkel aufhellen werden.“
Es war dies eine der Phraſen, womit Laien, welche Vorleſungen beſuchen, ohne von dem vorgetragenen Ge⸗ genſtande Kenntniß zu beſitzen, die ein Aufſummiren ver⸗ ſtändlich machen, um ſich werfen. Die Baronin nahm die Erwiederung auf und entgegnete:
„Mit dem Secirmeſſer und dem Mikroskope werden wir den Geiſt, der aller Materie Leben und Bewegung verleiht, nicht durchdringen: die Mittel aber, welche wir dazu benitzen könnten, verſchmäht man, weil ſie in Weibeshand gelegt ſind. Nur mit ſeltenen Ausnahmen wird ein Mann geiſtig ſchauen, ich meine von Geiſt zu Geiſt; die Frau aber, weil ſie ihrer Natur nach ſchon meiſtens nicht ſelbſt⸗ bewußt handelt, iſt ſtets auf dem Wege es zu thun. Darum die Pythia bei den Alten; darum die Sibyllen und die Hexen, welche man bei uns ſo jämmerlich verbrannte. Die Heiden waren alſo doch menſchlicher geſinnt, wie wir es ſind. Bei ihnen blieb die Frau eine Verkündigerin ewiger Wahrheiten. Das auch ſoll ſie ſein. Bevor man ihr dieſen Platz wieder anweiſt, wird die Welt auf geiſtigem
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