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Am großen Eingangsthore, wo man noch die Spu⸗ ren der früheren Zugbrücke ſah, wohnte der Thürhüter, ein Mann, welcher ſeine achtzig Jahre zurückgelegt hatte, und mit allen Legenden des Schloſſes vertraut war. Gebückt trat er Thorilden, die Mütze in der Hand, entgegen. Auch ſein Vater und Großvater hatten dieſen Poſten vertreten. „Der kann Dir was erzählen, Thorilde!“ bemerkte Ludolf mit Stolz.„Den frage nur. Er weiß mehr als ich von meinen Ahnen. Ich konnte mir ihre Namen nie recht mer⸗ ken, es ſind ihrer gar zu viele; ſchon vor den Kreuzzügen fängt es an, und Du kannſt wohl denken, wie es da mit
Schweſtern, Brüdern, Vettern, Couſinen anwächſt. Aber
Traugott kennt ſie alle. Er weiß auch alle Bilder im Ah⸗ nenſaale auswendig, und kann Dir die Inſchriften auf den Grabſteinen der Schloßcapelle, als ob ſie deutſch ge⸗ ſchrieben wären, ableſen.
Sie legte die kleine weiße Hand auf des Alten Schul⸗ ter und ſagte ihm einige freundliche Worte, die Jenem, weil ſie aus dem Herzen kamen, ſichtlich wohl thaten. Dann nahm ſie ſeine Mütze, betrachtete ſie, und bemerkte, daß Sie für einen ſo treuen Diener nicht mehr gut genug ſei, ſie würde für eine neue, beſſere ſorgen.„Gott ſegne die gnädige Braut!“ rief der Greis und eine Thräne zitterte unter den grauen Wimpern.„Ich werde alle Tage für Ihre Gnaden beten, daß es mir beſchieden ſein möge, den Erben von Rheinfeld auf dieſen alten Armen zu wie⸗
gen; ßen.
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