Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

218

ſie ſah unruhig und zerſtreut umher und verſchwand gleich darauf von ſeiner Seite.

Die Gäſte drängten ſich nun durch die Thüre, die Wirthin ſuchte den Vornehmſten unter ihnen die beſten Plätze zu verſchaffen, und der Fremde verlor ſich, weil die Herren jetzt den Damen Platz machen und zurückſtehen mußten, im Hintergrunde.

Während der Zeit hatte nun auch das Künſtlerper⸗ ſonal ſich, dem Programm entſprechend, geordnet; der zu⸗ letzt eingetretene blonde junge Mann nahm am Flügel Platz und ſpielte ein Concertſtück von ſeinem Meiſter Liszt, welches allgemeine Bewunderung erregte. Auf ihn folgte Ernſt mit ſeiner Violine, und Nr. 3 des Programms lautete auf die Gnadenarie, geſungen von Signora Anella. Als dieſe vortrat, ſich verneigte, und nun ihre volle, me⸗ tallreiche Stimme durch den Saal ſandte, drängten ſich alle Herren aus dem anſtoßenden Zimmer in die Saal⸗ thüre und von Mund zu Mund hörte man flüſtern: how peautiful she looks!

Man konnte auch in der That keine gewinnendere Er⸗ ſcheinung ſehen. Wie eine Königin ſtand ſie da; ihr Gruß voll Anmuth und Würde erhob ſie in den Augen der Da⸗ men ſogleich zur Lady, während die Herren fragten, unter welchem Himmel dieſes reiche rothbraune Haupthaar, welches in dicken Flechten über der blendend weißen Stirne lag, und dieſe, herrliche, üppige Geſtalt einer Juno das Ge⸗