Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

199

legte den kranken Fuß auf den Rückſitz neben Ludolf, der kein Auge davon abwandte; denn er glaubte nie etwas ſo Zierliches geſehen zu haben. Das Gelenk fing an zu ſchwel⸗ len. Er ſchrie dem Kutſcher wiederholt zu, er ſolle jagen, was die Pferde laufen könnten, es komme nicht darauf an, ob ſie ſtürzten.

„Wären es die Deinigen, ſo würdeſt Du ſolche Be⸗ fehle nicht ertheilen,“ bemerkte der Vater lächelnd;„doch ſollteſt Du billiger Weiſe auch auf mein Eigenthum Rück⸗ ſicht nehmen.“

„Wenn die Pferde ſtürzen, bleiben wir ja auf dem Wege liegen,“ ſagte Thorilde lächelnd. Doch rührte ſie ſeine Ungeduld. Ihrem blutenden Herzen war jeder Liebebeweis jetzt ein Balſam.

Als man vor der„Roſe“ hielt, ſprang Ludolf aus dem Wagen und ſandte Boten nach Aerzten aus. Indeſſen wurde Thorilde die Treppe hinauf in ihr Zimmer getragen.„Du haſt, wie ich höre, alle Doctoren von Wiesbaden beſchie⸗ den?“ fragte ihn ſein Vater, welcher wie die meiſten un⸗ vorſichtig mit ihrem Leben umgehenden Weltleute von Gicht etwas gelähmt, langſam die Treppe hinaufſtieg, und dem Sohn darauf im Salon begegnete.„Ein einziger Wundarzt wäre nützlicher geweſen, wie das ganze Col⸗ legium.“

„Es iſt beſſer, daß zu viele kommen, wie kein Ein⸗ ziger,“ verſettg Baron Ludolf, mit aufgezogener Stirne

————