Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
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lebte jetzt in einer fortwährenden, zitternden Aufregung, und geſtand ſich ſelbſt nicht ein, wie ſehr ihre Geſundheit bei dieſen ſchlafloſen Nächten litt, wie ſie zuſehends abnahm, ſo nervös ſich fühlte, daß ein leiſes, unvermuthe⸗ tes Geräuſch ſie mit einem Ach? zuſammenfahren ließ, und eine für Andere peinliche Unruhe ſich in ihrem ganzen Weſen verrieth. Dabei ward kein Wort der Klage über ihr Befinden laut; denn ſie litt in ihrem Gemüthe zu ſehr, um an den Körper zu denken, und fiel es Thorilden ein, ihren Mangel an Appetit, ihr umrändertes Auge zu rügen; ſo ſprach ſie kurz ab: ihre Geſundheit ſei nie beſſer ge⸗ weſen. Der Kreis ihrer Bekannten mehrte ſich täglich des ſchönen, auch als reich gerühmten Mädchens halber, die Tage ſchwanden wie im Umſehen hin; am Schluſſe des zweiten Monates wollte ſie Wiesbaden, deſſen Sommer⸗ preiſe keinen verlängerten Aufenthalt geſtatteten, verlaſſen. Nichts konnte daher ihren Wünſchen entſprechender ſein, als Thorildens Abſicht, den jungen Rheinfeld im Engliſchen zu unterweiſen; auch war die ſonſt ſo ängſtliche Mutter gar nicht ſo vorſichtig, wie früher, ſie hielt nicht darauf, wenn Beide vor dem an der offenen Balkonthüre ſtehenden Tiſche ſitzend die engliſchen Verben conjugirten, im Zimmer gegenwärtig zu ſein. Das junge Mädchen erlebte eine un⸗ glaubliche Freude an ihrem Schüler, welcher wiederum von

ſeinem Lehrer das größte Lob erhielt, ſo daß unter den