Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
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ſeine Mutter, Tante oder Vorgeſetzte wäre. Wie ſein ganzes Weſen, ſo trug auch ſeine Sprache das Gepräge des Unentwickelten, des einfach kindlichen. Einmal das Eis gebrochen, erzählte er ihr aus ſeiner Jugend, aus dem Vaterhauſe, bekannte, daß er wenig gelernt, daß man ihm in allen Dingen ſeinen Willen gelaſſen, daß Niemand daran gedacht habe ihn zu erziehen, zu bilden. Durch dieſe Bekenntniſſe gelangte er an die ſtets ein⸗ nehmbare Seite des weiblichen Herzens,— das Mitleid.

„Sie ſind ſo klug, Sie ſprechen ſo viele Sprachen, Sie malen, Sie ſpielen, Sie ſingen; Ihnen wird darum die Zeit nie lang, und mir ſo oft. Wie glücklich müſſen ein!“ ſchloß er ſeine Selbſtbekenntniſſe.

„Ich?“ fragte Thorilde, und ſeufzte.„Sie beſitzen dafür manches, das meinem Leben fehlt,“ ſetzte ſie hinzu.

„Ich wüßte nicht was,“ gab er kopfſchüttelnd zurück.

„Aberich weiß es,“ ſagte ſie, zu einem ſcherzhaften Tone übergehend.„Dabei können Sie, was Ihnen an Kennt⸗ niſſen fehlt, ja einholen. Warum lernen Sie, da Ihnen die Einſicht der Mängel Ihrer Bildung geworden iſt, nicht jetzt noch?“

„Ich?“ fragte Herr von Rheinfeld ganz erſtaunt.

„Ich? Sie meinen das im Ernſte?“

„Wie anders?“

„Freilich!“ ſagte er nachdenkend.„Wiſſen Sie, daß mir dies noch niemals eingefallen iſt?— Ich dachte, mit

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