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Die Inhaberin dieſes kleinen Gemaches ſtand viel⸗ leicht in der Mitte der zwanziger Jahre. Sie war blond, zart und fein gebaut, mit einem Geſichte, nicht häßlich, nicht ſchön, nur anziehend durch einen Zug der Güte, welcher lieblich den Mund umſpielte, ſo oft das Auge wohlwollend auf Jemand fiel. Ihr Benehmen war ge⸗ winnend, voll Anmuth, Tact und Herzlichkeit. Ob ſie hohe Bildung beſaß? Vielleicht nicht!— Sie lebte zu ſehr für Andere, um ſich dieſe anzueignen.
Ein junger Mann ſtürmte in das Zimmer.
„Guten Abend! Agathe!“ rief er und warf Hut und Mantel ab, ſein blondes Haar, das lang bis auf die Schultern fiel, aus der Stirne ſtreichend. Darauf ſetzte er ſich an den Flügel und fuhr mit einer Mei⸗ ſterhand durch die Taſten, eine wilde Phantaſie folgte, und erſt als die Kinder in einem gemeinſamen Weinen das Accompagnement dazu begonnen, ſchloß er mit ein paar mächtigen Accorden und ſchlug das Inſtrument zu.
„Wo iſt die Wärterin?“ fragte er ſich an den Tiſch der jungen Frau gegenüber ſetzend, und ſeine matten blauen Augen auf ſie richtend.
„Sie wird ſogleich zurückkehren,“ erwiederte dieſe, machte eine Hand frei und reichte ſie ihm hin. Er legte ſeine lange, hagere, kalte Linke auf ihre feinen, weichen warmen Finger; ſie drückte dieſe innig und hielt
ſie feſt, während ſie mit ihrer ſanften Stimme ſagte


