Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
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vor dem kommenden Morgen hatte noch niemals ihre Ruhe verſcheucht.

Als Thorilde erwachte, gewahrte ſie einen mit Blei⸗ ſtift geſchriebenen Streifen Papier neben ſich. Er war von Ellena's Hand. Verwundert griff ſie danach. Was konnte ſie ihr mitzutheilen haben? Ein Ferneres über ihre Hoffnung auf die Hand des Muſiklehrers?— Sie las:

„Ich habe heimlich zu L. geſchickt und ihn fragen

laſſen, warum er geſtern nicht gekommen ſei. Auf ihm

beruht unſere ganze Hoffnung. Wenn er jetzt kommt, ſo

iſt an Dir die Reihe eine Stunde zu nehmen; benutze

dieſe, zu erforſchen, ob wir durch ihn befreit werden fönnen.“

Thorilde fuhr im Bette empor und blickte zu Ellena hinüber; dieſe aberſchlief noch den Schlummer der Gerech⸗ ten, obwohl der Morgenſonne goldene Strahlen durch die Vorhänge lichte Streiken auf ihr Lager ſandten. Sie ſah, mit den roth angehauchten Wangen, den halb geöffneten Lippen und der plaſtiſchen Ruhe des wohlgebanten Kör⸗ pers wunderbar ſchön aus.

Sie hatte alſo an Leopold geſchrieben und einen Bo⸗ ten, um ihr Billet zu übergeben, gefunden; doch entſann ſich Thorilde nicht, daß die Schweſter ſich lange aus dem Zimmer entfernt gehabt. Wie war ihr das alſo möglich geworden?—

Ein höchſt unbehagliches Gefühl bemächtigte ſich