Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

Ihnen das Nein,“ erwiederte der Geheimrath kopf⸗ ſchüttelnd.

„Ja, das Nein!“ rief Frau von Gasmund bitter. „Hier iſt aber von keinem Nein die Rede, denn er ſchreibt mir, daß Thorilde ihn liebe und ſich ihm verlobt habe.“

„Steht es ſo? Das ändert freilich die Sache, denn Ihre Einwilligung wollen Sie, weil Ihnen die Stellung des Freiers nicht vornehm genug iſt, wahrſcheinlich ver⸗ weigern?“ fragte der Geheimrath mit einem Ausdrucke der Bitterkeit und des Spottes, welcher ſeinem offenen gutmüthigen Geſichte wie eine Maske ſtand.

Frau von Gasmund ſah ihn, wie fragend, hierauf an und ſchlug dann das Auge nieder. Sie erröthete und ein Zug der Verlegenheit ſpielte um ihren Mund. Plötzlich faßte ſie ſich jedoch, reichte dem Arzte trenherzig die Hand und ſagte:

„Die Frage aus Ihrem Munde verletzt mich nicht, denn ſie iſt gerecht, weil ich für mich ſelbſt aus ſolchem Grunde das ſchönſte Lebensglück von mir geſtoßen habe; allein Sie wiſſen auch, wie ich es abgebüßt. Mein trauriges Schickſal iſt mir eine bittere Lehre geworden, wie wenig das Glück einer Frau aus äußeren Bedin⸗ gungen heworgeht.“

„Sie entwerfen aber doch Pläne, ehrgeizige Pläne für die Tochter Ihrer Wahl!“ ſagte der Freund kopf⸗