Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
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Seufzer hob ihre Bruſt, während ſie ein Papier in ihrer Hand halb ungeduldig zuſammendrückte. Sie wandte ſich jetzt vom Fenſter ab und ſchellte. Ein betagter Diener trat gleich darauf mit ehrerbie⸗ 3 tiger Miene ein.„Wenn Briefe für die jungen Damen 3 gebracht werden, Johann, gleichviel, ob dieſe durch die Poſt oder privatim ihnen überſandt ſind, ſo ſollen ſie von jetzt an mir zuerſt übergeben werden.“ „Ganz wohl, gnädige Frau!“ „Und dann geh' ſogleich zu dem Herrn Geheimrath Ledebuhr und erſuche ihn, bevor er zu ſeinen Patienten fährt, ſich zu mir bemühen zu wollen.“ „Ganz wohl, gnädige Frau!“ Frau von Gasmund nahm nun in einem bequemen

Armſeſſel Platz und ſchenkte den duftenden Mokka ein. Während ſie daran nippte, durchlief ihr Auge einen neben ihr ausgebreiteten, zerknitterten Brief, deſſen Inhalt ſie ſehr aufzuregen ſchien. 5 Ihre weiße, wohlgepflegte Linke ſtützte das von Sor⸗ ß gen ſchwere Haupt, ihre regelmäßig ſchönen Züge nahmen 3 einen traurigen Ausdruck an und ihr tiefblaues Auge ſah oft wie fragend zu der Decke des Zimmers empor. Der Pendel einer großen Wänduhr gab dabei laut

3 die Secunden an, der Stundenzeiger ging von Viertel zu Viertel weiter und immer noch verharrte ſie ſchweigend und unbeweglich in der gleichen tiefſinnenden Stellung.

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