Vierte Novelle. 37
Darauf ſagte der Probſt: Madonna, daran zweifelt nicht, und wenn es ſeyn kann, veranſtaltet es, daß wir dieſen Abend zuſammenkommen.
Die Frau ſagte: Ich bin es zufrieden; und nach⸗ dem ſie ihm beſtimmt hatte, wie und wann er kom⸗ men moͤchte, ging ſie fort und kehrte nach Hauſe zuruͤck.
Die Frau hatte ein Dienſtmädchen, was eben nicht mehr allzu jung war, aber das haͤßlichſte und entſtellteſte Geſicht hatte, was man je nur ſehen konnte. Denn ſie hatte eine gewaltige ſtumpfe Naſe, einen verzerrten Mund, dicke Lippen und ſchlecht ge⸗ ordnete und große Zaͤhne; auch war es wol ſo, als wenn ſie ſchielte, wenigſtens ohne ſchlimme Augen war ſie nie, ihre Farbe ſelbſt war gruͤn und gelb, ſo daß es ſchien als haͤtte ſie den Sommer nicht in Fieſole, ſondern in Sinigaglia zugebracht. Ueberdies noch war ſie lendenlahm, und an der linken Seite etwas verkuͤmmert. Ihr Name war Merenza, weil ſie aber ſo ein huͤndiſches Geſicht hatte, ſo ward ſie von allen Menſchen Renze genannt. Und ſo entſtellt ſie in Hinſicht ihrer Perſon war, ſo war ſie auch uͤberdies noch etwas boshaft dazu.
Dieſe rief die Frau zu ſich und ſagte zu ihr: Renza, willſt Du mir dieſe Nacht einen Dienſt thun, ſo will ich Dir ein ſchoͤnes neues Hemde geben.
Renza, die eines Hemdes erwähnen hoͤrte, ſagte: Madonna, wenn ſie mir ein neues Hemde ſchenken, laufe ich fuͤr Sie durchs Feuer wenigſtens!
Nun gut, ſagte die Dame, ich will, daß Du


