34 Achter Tag. thoͤrichter Affectation und Ziererei, und eben adurch ſo ekelhaft und widerwärtig, daß kein Menſch war, der ihm wohl wollte: und wenn irgend einer ihm wenig zugethan war, ſo war eben dieſe Frau ihm nicht nur im geringſten nicht zugethan, ſondern er war ihr verhaßter als die Migräne. Daher gab ſie, als eine kluge Frau, zur Antwort:
Lieber Herr, daß Sie mich lieben, kann mir nicht anders, als ſehr angenehm ſeyn, und ich muß Sie wieder lieben, und will Sie auch gern lie⸗ ben; aber zwiſchen Ihrer und meiner Liebe darf nie⸗ mals auch nicht das Mindeſte Unanſtaͤndige vorfal⸗ len. Sie ſind mein geiſtlicher Vater, ſind Prieſter und nähern ſich ſchon ſehr dem Alter. Dies muß Sie anſtändig und zuͤchtig machen. Ich meinerſeits bin kein Kind, dem allenfalls dieſe Liebeleien nachzu⸗ ſehen waͤren, bin Wittwe, und welche Anſtändigkeit man von Wittwen fordert, das wiſſen Sie; und deß⸗ halb werden Sie mich entſchuldigen, wenn ich Sie auf die Art, auf welche ſie es von mir verlangen, nie lieben werde, noch von Ihnen auf dieſe Art ge⸗ liebt ſeyn will.
Da der Probſt für diesmal nichts andres von ihr erhalten konnte, ſpielte er den Nichtverlegenen, oder auf den erſten Schlag Beſiegten; ſondern mit ſeiner gewohnten kecken Vermeſſenheit lag er ihr mehrmals mit Briefen und Geſandtſchaften, und
auch oftmals ſelbſt in eigener Perſon an, wenn er ſie nach der Kirche kommen ſah. Der Dame war dieſe Quälerei zu läſtig und zu


