Zweite Novelle.
Schoͤne Damen, es faͤllt mir ein, Euch eine kleine Novelle gegen Diejenigen zu erzaͤhlen, welche uns unaufhoͤrlich beleidigen, ohne daß ſie von uns auf gleiche Weiſe wieder beleidiget werden koͤnnten, das heißt gegen die Prieſter, welche gegen unſere Weiber das Kreuz gepredigt zu haben ſcheinen, und die da glauben, ſie koͤnnten nicht eher Verzeihung der Schuld und der Strafe dafuͤr, daß ſie eine haben unter ſich haben koͤnnen, erhalten, als bis ſie von Alexandrien her den Sultan gefeſſelt nach Avignon gefuͤhrt häͤtten. Das koͤnnen die ungluͤckſeligen Welt⸗ kinder ihnen nicht wieder thun, wenn ſie auch gleich an ihren Muͤttern, an ihren Schweſtern, an ihren Freundinnen und an ihren Toͤchtern, mit eben der Hitze, womit ſie ihre Frauen anfallen, ihren Zorn auslaſſen wollten. Daher geht meine Abſicht dahin, Euch eine bauriſche unanſtändige Liebelei zu erzaͤh⸗ len, welche des Schluſſes wegen mehr zu belachen, als den Worten nach lang iſt, damit Ihr Euch die Lehre abziehen koͤnnt, daß den Prieſtern nicht immer Alles zu glauben iſt.
Ich ſage alſo in Varlungo, einem Dorfe, was, wie Jede von Euch entweder weiß oder gehoͤrt haben kann, nicht ſehr weit von hier iſt, war ein tuͤchtiger Pfarrer, und fuͤr den Dienſt der Frauen von ſtattli⸗ cher Perſon; dieſer, ob er gleich eben nicht einmal recht leſen konnte, wußte mit vielen ſchoͤnen und hei⸗ ligen, elenden Worten Sonntags unter einer Ulme ſeine Pfarrſoͤhne zu ergetzen, oder er beſuchte, wenn jene anderwaͤrts hingingen, ihre Frauen aͤmſiger,


