Erſte Novelle. 5 kennt, dahin gelangt, von einem nicht zu ſtrengen Richter Verzeihung verdient, wie es uns vor einigen Tagen Philoſtratus gezeigt hat, daß es gegen Ma⸗ donna Philippa aus Prato*) beobachtet worden.
Es war alſo einſt in Melano ein in Sold ſte⸗ hender Deutſcher, deſſen Name Wolfarth war, ſtatt⸗ lich von Perſon und durchaus treu denen, in deren Dienſte er ſich begab; und das pflegt bei den Deut⸗ ſchen ſelten der Fall zu ſeyn. Da er mun ein uͤber⸗ aus gewiſſenhafter Wiederzahler in Geldanleihen war, die ihm gemacht wurden, ſo haͤtte er Kaufleute genug gefunden, die um einen kleinen Gewinnſt ihm jede Summe Geld geborgt haͤtten. Eben dieſer nun richtete, da er in Melano wohnte, ſeine Liebe auf eine ſehr ſchoͤne Frau, genannt Madonna Ambroſia, Gattin eines reichen Kaufmanns, welcher den Na⸗ men Guasparuol Cagaſtraccio fuͤhrte, und ſein guter Bekannter und Freund war. Da er ſie ſehr beſcheiden liebte, ohne daß es der Mann oder ein Anderer je bemerkt hätte, ſo ſandte er eines Tages zu ihr, und ließ ſie bitten, ſie moͤchte doch gefaͤlligſt ſeine Liebe annehmen, da er ſeinerſeits bereit wäre, alles zu thun, was ſie ihm befoͤhle.
Die Dame kam, nach vielen Hin⸗ und Herreden endlich zu dem Entſchluß, daß auch ſie bereit waͤre, zu thun, was Wolfarth wuͤnſchte, wenn zweierlei daraus erfolgte. Erſtlich, daß es niemals durch ihn irgend einem Menſchen entdeckt wuͤrde, und zweitens,
*) In der 7ten Novelle des 6ten Tages.


