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Neunte Novelle. 155
meiner Gevatterinn zuſammen geſchlafen habe, und zwar ſo oft, daß ich mich ganz abgeſchunden habe. Da ſchlug er einen gewaltigen Spott daruͤber aus, und ſagte mir: Geh, Du Narr, glaube doch nicht, daß man hier auf die Gevatterinnen nur die geringſte Ruͤckſicht nimmt. Da ich dies hoͤrte, ward ich wie⸗ der ganz ruhig.
Und nach dieſem Geſpraͤch ſagte er, da ſich der Tag naͤherte: Meuccio, Gott mit Dir, denn ich kann nicht laͤnger bei Dir ſeyn; und raſch ging er fort.
Nachdem Meuccio gehoͤrt hatte, daß dort keine Ruͤckſicht auf die Gevatterinnen genommen wuͤrde, fing er an uͤber ſeine eigene Dummheit zu ſpotten, daß er deren ſchon mehrere geſchont haͤtte. Er ließ daher ſeine Dummheit fahren, und ward hierin fuͤr die Folge weiſer..
Wenn Bruder Rinaldo das gewußt haͤtte, ſo haͤtte er gar nicht noͤthig gehabt, ſich mit Trugſchluͤſ⸗ ſen zu qualen, als er ſeine gute Gevatterinn zu ſei⸗ nen Vergnuͤgungen bekehren wollte.
Zephir hatte ſich durch die Sonne, welche ſich dem Abend näherte, erhoben, als der Koͤnig nach Be⸗ endigung ſeiner Novelle, da ein Anderer zum Erzaͤh⸗ len nicht mehr uͤbrig war, ſich die Krone vom Haupte nahm, und ſie Lauretten aufſetzte, mit den Wor⸗ ten:
Madonna, ich kroͤne Euch mit Euch ſelbſt*) zur
*) Ein Wortſpiel: Lauretto heißt im Italieniſchen ein Lorbeerzweig.


