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Zehnte Novelle. der des Engel Gabriel zu zeigen; da er aber ſtatt der⸗ ſelben Kohlen findet⸗ ſagt er, es waͤren von denen, wor⸗ auf der heilige Lorens gebraten worden.
Da ein Jeder aus der Geſellſchaft mit ſeiner Novelle fertig war, merkte Dioneus, daß das Reden an ihm ſtände. Ohne daher noch erſt einen foͤrmli⸗ chen Befehl abzuwarten, fing er, nachdem denen, welche das ſinnige Wort Guido's lobten, Stillſchwei⸗ gen aufgelegt worden, alſo an:
Reizende Damen, ob ich gleich das Vorrecht habe, von dem, was mir mehr gefaͤllt, ſprechen zu koͤnnen, ſo will ich doch heute mich von dem Stoffe nicht entfernen, uͤber welchen Ihr ſo paſſend geſpro⸗ chen habt, ſondern ich will in Eure Fußſtapfen tre⸗ ten, und beabſichtige, Euch zu zeigen, wie vorſichtig einer der Bruͤder des heiligen Antonius auf einem plotzlichen Auswege einem Hohne entging, der ihm von zwei jungen Leuten zugedacht war. Es muͤſſe Euch auch nicht beſchwerlich ſeyn, wenn ich, um die ganze Novelle gut zu erzaͤhlen, mich im Reden et⸗ was ausbreite, ſolltet Ihr ſelbſt auch nach der Sonne ſehen, die jetzo noch mitten am Himmel ſteht.
Certaldo, wie Ihr vielleicht gehört haben koͤnnt, iſt ein Caſtell im Val d'Elſa, in unſerem Stadt⸗ Geviete gelegen, welches, wenn es auch gleich nur klein iſt, dennoch einſt von edeln und wohlhabenden Leuten bewohnt ward. Weil ſich daſelbſt eine gute Weide befand, pflegte einer von den Bruͤdern des beiligen Antonius ſeit langer Zeit alle Jahre ein⸗ mal hin zu gehen, um die Almoſen einzuſammeln,


