Teil eines Werkes 
5. Bdchn. (1831)
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Sechſter Tag⸗

ſchoͤn und von einem ſehr lobenswerthen Weſen waͤre, und, nach dem, was ihre Worte bewieſen, eine große Seele haͤtte, fing daher an, Mitleiden mit ihr zu haben, indem er fuͤrchtete, ſie moͤchte ein Geſtaͤndniß thun, weßhalb er, wenn er ſeine Ehre retten wollte, gezwungen wäre, ſie zum Tode zu verurtheilen. In⸗ deſſen da er doch nicht umhin konnte, ſie um das zu befragen, was ihr Schuld gegeben worden, ſo ſagte er zu ihr:

Madonna, wie Ihr ſehet, iſt Rinaldo, Euer Mann, hier zur Stelle, und beklagt ſich uͤber Euch, daß er Euch mit einem andern Manne im Ehebruche betroffen habe; und deshalb verlangt er, daß ich, nach einem Statute, was hier beſtehet, Euch dafuͤr mit dem Tode beſtrafe. Das kann ich aber nicht, wenn Ihr es nicht ſelbſt eingeſtehet, deshalb ſehet Euch wohl vor, was Ihr antwortet, und ſaget mir, iſt das wahr, woruͤber Euer Mann Euch anklaget?

Die Frau, ohne nur im mindeſten aus der Faſ⸗ ſung zu kommen, antwortete mit ſehr freundlicher Stimme: Herr, wahr iſt es, daß Rinaldo mein Mann iſt, und daß er mich die vergangene Nacht in Lazza⸗ rino's Armen getroffen hat, in welchen ich mich nach der ſchoͤnen und vollkommenen Liebe, die ich fuͤr ihn hege, oͤfter befunden habe, und das werde ich nim⸗ mermehr laͤugnen. Aber, da ich uberzeugt bin, daß Ihr es wohl wiſſen werdet, Geſetze muͤſſen allge⸗ mein und mit Uebereinſtimmung derer gemacht ſeyn, die ſie angehen. Allein dies trifft bei dieſem nicht ein; es zwingt nur bloß die unglücklichen Weiber,