Vierte Novelle. 8
am andern Morgen aber, ſobald der Tag mur er⸗ ſchien, ſtand Currado, den der Zorn im Schlaf noch nicht verlaſſen hatte, ganz aufgeregt auf, und befahl, daß ihm die Pferde vorgefuͤhrt wuͤrden; und nachdem Chichibio auch einen Gaul hatte beſteigen muͤſſen, fuͤhrte er ihn nach einem Fluſſe hin, an deſſen Ufern ſich gegen Anbruch des Tages Kraniche zu zeigen pflegten, unterweges aber ſagte er zu ihm: Nun werden wir bald ſehen, wer geſtern Abend gelogen hat, Du oder ich.
Da Chichibio ſah, daß Eurrado's Zorn noch im⸗ mer fortdauerte, und daß er ſeine Luͤge beweiſen muͤßte, aber nicht wußte, wie er das anzuſtellen haͤtte, ritt er in der groͤßten Furcht von der Welt neben Currado her, und waͤre gern entflohen, wenn er es nur gekonnt haͤtte. Da er das aber nicht konnte, ſah er bald vorwaͤrts, bald ruͤckwaͤrts, auch wohl nach
der Seite ſich um, und glaubte, was er ſaͤhe, wären
wirklich Kraniche, welche auf zwei Beinen daſtanden. Indeſſen da ſie in die Naͤhe des Fluſſes gekommen waren, ſah er eher als irgend ein Anderer am Ufen jenes Fluſſes wohl an zwoͤlf Kraniche, welche alle auf Einem Fuße ſtanden, wie ſie das zu thun pflegen, wenn ſie ſchlafen. Schnell zeigte er ſie Currado und ſagte: Da Herr, koͤnnt Ihr recht gut ſehen, wie ich Euch geſtern die Wahrheit geſagt habe, daß die Kraniche nur Eine Keule und Ein Bein haben, wenn Ihr nach denen hinſchaut, die da ſtehen.
Als Currado dieſe ſah, ſagte er: warte, ich will Dir zeigen, daß ſie zwei haben. und hiermit trat


