Teil eines Werkes 
4. Bdchn. (1830)
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190 Anmerkungen.

mehr zu dem Liedchen, ſondern Dioneus unterbricht ſich ſcherzweiſe mit denſelben in ſeinem Geſange. übrigens ſind die abgeriſſenen, in Haͤkchen eingeſchloſſenen Worte, Anfaͤnge von alten Liedern, welche ſchon von eben dieſer ernſten Koͤnigin nicht mehr fuͤr der Muͤhe werth gehalten wurden, wieder ins Leben zuruͤckgerufen zu werden. Wir laſſen ſie daher auch ruhen.

S. 166. 8. 6, Troilus und Creſſida. Die Liebe des Troilus und Creſſida hatte Boccaccio ſchon fruͤ⸗ her zum Hauptgegenſtande eines romantiſchen Gedichtes in achtzeiligen Stanzen(ottava rima) gewählt, und hier⸗ nach Shakeſpeare das Schauſpiel gleiches Namens gedichtet.

S. 168. 3. 11, So wie an hellen Abendenec. Eben mit dieſen Worten hat Boccaccio auch Pampinea ihre Erzaͤhlung(die zehnte im erſten Tage) anfangen laſſen.

Was nun aber die Erzählung ſelbſt betrifft, ſo glaubs ich, liegt derſelben wol ein ganz anderer Sinn unter, als die Worte und Buchſtaben ſagen. Wortlich hieße naͤmlich ſchon die überſchrift: er wolle ſie mit zu Pferde neh⸗ men, und ihr eine Novelle erzaͤhlen. Allein wo bekommt der Ritter mit einem Male ein Pferd her, da doch Boc⸗ caccio ſagt, daß ſie Alle zu Fuß und zum Vergnuͤgen von einem Orte zum andern gegangen waͤren? Der unter die⸗ ſer Novelle verborgene Sinn iſt von etwas ſchluͤpfrigerer Art, nämlich: a cavallo heißt auch ſo viel als in aller Eil, in aller Geſchwindigkeit, uͤber Hals und Kopf; ei⸗ nem Maͤdchen das ſchönſte Hiſtoͤrchen von der Welt erzäh⸗ len, iſt wot eben ſo viel, als solus cum Kola pater noster orare non praesumuntur; daß der Ritten Madonna Oretta tragen will, iſt wol umgekehrt ſo zu ver⸗

ſtehen, wie der Moͤnch in der vierten Novelle des erſten Tages noch nicht wußte, daß er ſich von den Mäͤdchen hätte druͤcken laſſen ſollen; daß dem Ritter alsdann das Schwert zur Seite beſſer geſtanden haben wird, als die Zunge zum Erzaͤhlen, laͤßt ſich auch wol leicht vermuthen. Und ſo kann man alles übrige, was der Ritter oder die Madonna khut oder ſpricht, ſehr leicht in einen allegori⸗ ſchen Sinn, ohne mein weiteres Zuthun, erklären und