Teil eines Werkes 
4. Bdchn. (1830)
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Zehnte Novelle, 33

ſeyn, da ſie, wenn ſie nur wollte, zu gleicher Zeit Ruggieri befreien und ihre Ehre retten koͤnnte.

Das Maͤdchen ſagte: Madam, ſagen Sie mir nur wie, und ich will gern alles thun.

Die Frau, der das Meſſer an die Kehle ging, hatte bald einen Entſchluß gefaßt, was zu thun waͤre, und theilte ihn dem Maͤdchen ausfuͤhrlich mit.

Das Maͤdchen ging daher zuerſt zum Arst, und fing mit Thraͤnen in den Augen an: Herr Doktor, ich muß Sie wegen eines großen Verſehens, was ich gegen Sie begangen habe, um Verzeihung bitten.

über was fuͤr eins, ſagte der Doktor?

Das Mädchen, das immer nicht zu weinen auf⸗ hoͤrte, ſagte: Herr, Sie wiſſen, was Ruggieri da Jeroli fuͤr ein junger Menſch iſt, deſſen Liebſte ich heuer noch theils aus Furcht, theils aus Liebe wer⸗ den muß, denn ich gefalle ihm. Und da er geſtern Abend erfahren hatte, daß Sie nicht zu Hauſe wa⸗ ren, ſo hat er ſo lange um mich herum geſchmei⸗ chelt, bis ich ihn in Ihrem Hauſe zu ſchlafen nach meiner Kammer mitnahm. Und da er nun hier dur⸗ ſtig ward, und ich nicht gleich wußte, wo ich Waſ⸗ ſer oder Wein hernehmen ſollte, weil ich nicht wollte, daß Ihre Frau, die im Saale war, mich ſehen ſollte, ſo erinnerte ich mich, daß ich in Ihrem Zim⸗ mer eine Caraffine mit Waſſer geſehen hatte; ich lief daher ſchnell danach hin, gab ihm zu trinken, und ſtellte die Caraffine wieder da hin, wo ich ſie weggenommen hatte; woruͤber, wie ich ſehe, Sie im Hauſe einen ſolchen Larm gemacht haben. Ich

Boccaccio's ſämmtl. W. 4. 3