Zehnte Novelle. 25
und auf die Dame wartete, uͤberfiel ihn, entweder wegen der am Tage gehabten Arbeit, oder wegen ei⸗ ner ſalzigen Speiſe, die er gegeſſen hatte, oder viel⸗ leicht aus Gewohnheit, ein gewaltiger Durſt; da ſah er im Fenſter das Glas mit dem Waſſer, was der Arzt fuͤr den Kranken zubereitet hatte, und, in der Meinung, es waͤre zum Trinken, ſetzte er es an den Mund und trank es ganz aus. Hierauf dauerte es nicht lange, ſo uͤberfiel ihn maͤchtiger Schlaf, und er ſchlief ein.
Die Frau ging, ſo bald ſie nur konnte, nach ja⸗ nem Zimmer, und da ſie Ruggieri ſchlafen fand, ſtieß ſie ihn an und ſagte mit leiſer Stimme zu ihm, daß er doch aufſtehen moͤchte. Aber das war vergebens; er antwortete nicht und ruͤhrte ſich nicht. Die Frau, ein wenig beunruhigt daruͤber, ruͤttelte ihn noch ſtaͤrker, und ſagte: Steh auf, Verſchlafe⸗ ner, denn wenn Du ſchlafen wollteſt, ſo konnteſt Du nach Deinem Hauſe gehen, und brauchteſt nicht hierher zu kommen.
Ruggieri, ſo angeſtoßen, fiel von einem Kaſten, auf welchem er ſaß, auf die Erde, und gab kein an⸗ deres Zeichen des Lebens, als ein todter Koͤrper ge⸗ gegeben haben wuͤrde.
Die Frau, hieruͤber ein wenig erſchreckt, wollte ihn aufheben, ihn noch ſtaͤrker ſchuͤtteln, faßte ihn bei der Naſe, zupfte ihn am Barte, aber alles half nichts; er lag in einem zu tiefen Schlafe. Des⸗ halb fing die Frau wirklich an zu fuͤrchten, er moͤchte wol gar todt ſeyn; indeſſen kniff ſie ihn noch ein


