Neunte Novelle. 15
die Liebe nicht hatte vereinigen koͤnnen, zu einer un⸗ zertrennlichen Verbindung.
Neunte Novelle.
Meſſer Wilhelm Roſſiglion gibt ſeiner Frau das Herz des Meſſer Wilhelm Guardaſtagno, den er umbrachte und ſie liebte, zu eſſen; nachdem ſie dies erfahren, ſtuͤrzt ſie ſich aus einem hohen Fenſter hinab, ſtirbt, und wird mit ihrem Geliebten begraben.
Neiphile's Novelle war geendet, nicht ohne gro⸗ ßes Mitleid unter alle ihre Gefaͤhrtinnen gebracht zu haben, als der Koͤnig, der Dioneo's Vorrecht nicht ſchmälern wollte, und auch ſonſt keiner mehr zum ſprechen uͤbrig war, anfing: Es ſchwebt mir, mit⸗ leidige Damen, eine Novelle vor, uͤber welche, da doch die Ungluͤcksfaͤlle der Liebe Euch ſo zu Herzen gehen, Ihr nicht weniger Mitleid werdet empfinden muͤſſen, als bei der vorhergehenden, weil diejenigen, denen das begegnet iſt, was ich Euch erzaͤhlen will, von groͤßerer Bedeutung und die Zufaͤlle weit ſchreck⸗ licher als jene waren, von welchen geſprochen wor⸗ den iſt.
Ihr ſollt alſo wiſſen, daß nach dem, wie die Provenzalen erzaͤhlen, in der Provence zwei edle Ritter waren, von denen jeder Schloͤſſer und Vaſal⸗ len unter ſich hatte, und von denen der eine den Na⸗ men Meſſer Wilhelm Roſſiglion, der andere Wilhelm Guardaſtagno fuͤhrte; da ferner ſowol der eine wie der andere ein tuͤchtiger Mann war die Waffen zu fuͤhren, ſo erſchienen ſie ſehr haͤufig in Waffen, und es war ihre Gewohnheit, immer nach jedem Tur⸗


