Teil eines Werkes 
4. Bdchn. (1830)
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Achte Novelle. 13

varinnen kam, und ihn, unſerer Sitte gemaß, mit bitteren unaufhaltſamen Thraͤnen zu beweinen und zu beklagen anfing.

Wäaͤhrend das Leidweſen auf's hoͤchſte geſtiegen war, ſagte der gute Mann, in deſſen Hauſe er ge⸗ ſtorben war, zur Salveſtra:

Hoͤre, nimm einen Mantel uͤber den Kopf, und geh nach der Kirche, nach welcher Hieronimus hin⸗ gebracht worden iſt; miſche Dich unter die Frauen, und hoͤre was uͤber dieſe Geſchichte geſprochen wird. Ich will daſſelbe unter den Maͤnnern thun, damit wir vernehmen, ob man gegen uns etwas ſpricht.

Die junge Frau, bei der ſich das Mitleid zu ſpaͤt geregt hatte, war damit zufrieden, da ſie ſelbſt ſehr begierig war, den todt zu ſehen, dem lebendig ſie nicht mit einem einzigen Kuſſe hatte gefaͤllig ſeyn wollen, und ging hin.

Es iſt doch wunderbar, wenn man bedenkt, wie ſchwierig es iſt, der Gewalt der Liebe nachzuſpuͤren. Eben daſſelbe Herz, was Hieronimus gluͤcklicher Zu⸗ ſtand nicht hatte oͤffnen koͤnnen, das oͤffnete ſein elen⸗ der, und fachte alle die alten Flammen darin wieder an, ſo daß ſie plotzlich in Thraͤnen zerfloß, als ſie das Geſicht des Todten erblickte, ſich in dem Man⸗ tel verborgen, zwiſchen den Frauen hindurch draͤngte, und nicht eher ruhte, als bis ſie zu dem Leichnam hingekommen war. Hier ſtieß ſie einen gewaltigen Schrei aus, warf ſich mit ihrem Geſichte auf den jungen Mann, den ſie aber nicht mit vielen Thraͤ⸗ nen benetzte; denn kaum hatte ſie ihn beruͤhrt, ſo