Teil eines Werkes 
4. Bdchn. (1830)
Einzelbild herunterladen

Achte Novelle. 11

wolle; wäͤre er alsdann mur ein wenig erwaͤrmt, ſo wolle er ſogleich fortgehen.

Salveſtra, welche etwas Mitleiden mit ihm fuͤhlte, verſtattete es ihm unter den von ihm ſelbſt gemachten Bedingungen; und ſo legte ſich der junge Mann neben ſie hin, ohne ſie zu beruͤhren, und da er ſeine ausdauernde Liebe und ihre jetzige Haͤrte, zugleich mit der verlornen Hoffnung uͤberdachte, be⸗ ſchloß er, nicht laͤnger zu leben; er hielt daher den Athem an ohne ein Wort zu ſagen, kniff die Finger ein und ſtarb an ihrer Seite.

Nach kurzer Zeit wunderte ſich die junge Frau ſehr uͤber ſeine Enthaltſamkeit, und fuͤrchtend, daß ihr Mann erwachen moͤchte, ſagte ſie:

Hieronimus, warum gehſt Du nicht?

Weil ſie keine Antwort hoͤrte, glaubte ſie, er waͤre eingeſchlafen. Sie ſtreckte daher die Hand aus, und ſtieß ihn, um ihn aufzuwecken, an; indeſſen, da ſie ihn beruͤhrte, fand ſie ihn ſo kalt wie Eis, woruͤber ſie ſich gewaltig verwunderte. Sie ſtieß ihn daher noch kraͤftiger an, und da ſie fand, daß er auch da ſich nicht ruͤhrte, merkte ſie, nachdem ſie ihn noch oͤfter angeſtoßen hatte, daß er todt waͤre. Im hoͤchſten Grade hieruͤber betruͤbt, wußte ſie eine ganze Weile nicht, was ſie machen ſollte. Endlich faßte ſie den Entſchluß, in einer andern Perſon zu verſuchen, was ihr Mann wol ſagen wuͤrde, daß da⸗ bei zu thun waͤre. Sie weckte ihn daher auf, ſagte ihm, was ihr eben gegenwaͤrtig begegnet war, waͤre einer Andern begegnet, und dann fragte ſie ihn, was