Anmerkungen.
Boccaccio oftmals das Subject von weitem her aus dem Vorhergehenden hernimmt, iſt nichts Seltenes.
S 113 8. 1, und des Kummers ꝛc. Den Auslegern hat es viel zu ſchaffen gemacht, ob ſie solitu- dine oder sollecitudine leſen ſollen. Manelli ſagt: credo che abbia a dire solitudine. Salviati behaͤlt sollecitudine, und erklaͤrt es per una cotal malin-
conia ed accidia(tedia del ben fare, la Grusca.
Verdroſſenheit); Colombo tadelt dieſe Erklaͤrung und meint, es waͤre ſo gut come sarehhe a dire bianco nero; daher behaͤlt er, als die beſſere Leſeart, so- itudine. Fiacchi glaubt der Leſeart des beſten Textes zu folgen, wenn er mit Salviati lieſt: sollecitudine; und hierin ſtimme ich ihm bei, nur in Hinſicht ſeiner Er⸗ klärung dieſes Wortes bin ich ſeiner Meinung nicht. Er ſagt naͤmlich: la sollecitudine, cioè lintensa pre- mura di maneggiare diligentemente gli affari, che dovrebbhe diminuire le passioni nei solitari. Wie er dieſen Sinn hineinbringen kann, verſtehe ich nicht. V. ſpricht doch von denen, welche die Nonnen tadeln, daß ſich, trotz deſſen, daß ſie Nonnen ſind, auch bei ihnen Fleiſch und Blut regt, und nicht bedenken, daß die volle Freiheit, zu thun⸗ was ſie wollen, die Luſt bei ihnen ſelbſt eben ſo wenig ſaͤttigen kann, als bei jenen, den Nonnen, weder die Muße, noch die Unzufriedenheit oder der Kummer daruͤber, daß ſie eben in ſolcher Muße leben mäſſen. Wie kann nur Piacchi sollecitudine durch eine angeſt engte fleißige Betreibung ihrer Geſchaͤfte erklären, welch⸗ die Leidenſchaften bei Einſamen verringern muͤßte2 Ich begruͤnde meine Ueberſesung des Wortes sollecitu- din durch Kummer mit der Crusca, welche sollesi- tudine im F. durch Gura, Pensiero, Affanno erklaͤrt. Auch in einer ſranzoͤſiſchen, uͤbrigens ziemlich freien Ueber⸗ ſetzung(à la Haye 1733) finde ich: 1 oisive té et la contrainte. Das wuͤrde ich eher gelten laſſen⸗ und ſtimmt mit meiner Deutung ziemlich uͤberein, denn con- trainte erkläre ich mir durch den Zwang⸗ den ſich die ar⸗


