Teil eines Werkes 
3. Bdchn. (1829)
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162 Dritter Tag.

unterthänigſter Knecht, Euch, meinen theuerſten Schatz und einzige Hoffnung meines Lebens, welches ſich in dieſer Liebesgluth nur allein durch die Hoff⸗ nung auf Euch erhaͤlt, daß Eure Guͤtigkeit ſo groß, und Eure Härte, die Ihr bis ietzt gegen mich, der ich doch ganz der Eurige bin, bewieſen habt, ſo gemildert ſeyn moͤchte, daß ich, durch Euer Mitlei⸗ den geſtärkt, mit Recht ſagen koͤnnte, ſo wie ich von Liebe fuͤr Euch durch Eure Schoͤnheit eingenommen ward, ſo habe ich auch eben durch dieſe das Leben wieder erhalten; dingegen, wenn Euer edles Herz nicht durch meine Bitten erweicht wuͤrde, muͤßte es ohne allen Zweifel dahin ſchwinden, ich des Jodes ſeyn, und Ihr wuͤrdet meine Moͤrderin genannt werden Lönnen. Und nicht zu gedenken, daß mein Tod Euch keine Ehre bringen wuͤrde, ſo glaube ich doch nichts deſto weniger, daß, wenn je zuweilen das Gewiſſen Euch daruͤber ſchlagen ſollte, es Euch doch wehe thun wuͤrde, ſo gehandelt zu haben, und Ihr dann, veſſeren Sinnes, nicht einmal zu Euch ſelbſt ſagen ſolltet: Wie unrecht habe ich doch gethan, daß ich mit meinem Zierling nicht mehr Erbarmen gehabt habe, und wenn dieſe Reue dann umſonſt ſeyn wird, dann wird es Euch zu deſto groͤßerem Kummer ge⸗ reichen. Darum, damit dies nicht einmal erfolgen moͤge, ſo laßt es Euch jetzt, wo Ihr mir helfen koͤnnt, nicht verdrießen, und laßt Euch, ehe ich ſterbe, zum Erbarmen fuͤr mich, bewegen, da es nur allein bei Euch ſteht, mich zum gluͤcklichſten oder ſchmerzensvollſten Menſchen zu machen, der nur auf