Zweiter Tag.
gen, ſondern legte ſich ihr, nachdem alle Lichter ausge⸗ loͤſcht, zur Seite, ſchloß ſie in ſeine Arme, und fing an ſich mit ihr, ohne den geringſten Widerſpruch von ihrer Seite, der Liebe zu erfreuen; und nach⸗ dem ſie gemerkt, was ſie vorher nimmer gekannt hatte, mit was fuͤr einem Horne die Maͤnner ſtießen, gereuete es ſie faſt, den Schmeicheleien Pericone's nicht eher nachgegeben zu haben; ſie lud ihn daher, ohne zu warten, daß ſie zu ſo ſuͤßen Naͤchten ein⸗ geladen wuͤrde, oͤfter ſelbſt ein, und zwar nicht mit Worten, denn damit konnte ſie ſich nicht verſtaͤndlich machen, ſondern mit Thaten. Bei dieſem großen Vergnuͤgen, was Pericone und ſie hatten, war doch das Schickſal nicht damit zufrieden, daß es, ſie, ſtatt zur Gemahlin eines Koͤnigs, zur Freundin eines Schloßhauptmanns gemacht hatte, ſondern es ſparte ſie fuͤr noch grauſamere Freundſchaften auf.
Pericone hatte einen Bruder von etwa 25 Jah⸗ ren, ſchoͤn und bluͤhend wie eine Roſe, deſſen Name Marato war; da dieſer ſie geſehen und ſie ihm au⸗ ßerordentlich gefallen hatte, duͤnkte es ihn, ſo viel er aus ihrem Betragen abnehmen konnte, daß er bei ihr ziemlich in Gunſt ſtände, und er meinte, es ver⸗ hindere ihn an dem, was er von ihr verlange, nichts weiter, als die ſorgfaͤltige Obhut, welche Pericone uͤber ſie hegte; er verfiel daher auf einen grauſamen Gedanken, und auf den Gedanken erfolgte ſogleich ohne Verzug die ſchaͤndliche Ausfuͤhrung.


