196 Anmerkungen.
Gedanken verloren, daß ich dieſe meine Vemühung nur muͤßigen Leuten, aber keinen andern, dargeboten habe.“
Ich denke, meine obige doppelte Behauptung, wie und fuͤr wen Boccaccio dieſes Buch geſchrieben⸗ liegt in jenen Worten feſt begruͤndet. Wie wenig Werth aber Voc⸗ caccio, beſonders in ſpäteren Jahren, eben auf dieſen ſei⸗ nen Dekameron legte, und beſonders auch, daß er ihn nicht in der Abſicht anfing, ihn als ein eigenes fuͤr ſich beſte⸗ hendes Werk herauszugeben⸗ beweiſt auch wol der Um⸗ ſtand, daß von einem doch erſt in neueren Zeiten(naämlich in Hinſicht der griechiſchen und römiſchen Claſſiker) geſchrie⸗ benen Buche keine einzige Handſchrift, von dem Verfaſ⸗ ſer ſelbſt weder noch vorhanden, noch nach derſelben das Buch ſelbſt zum erſten Mal im Druck erſchienen iſt, dieſe Ehre widerfuhr der Handſchrift des Amaretto Manelli, welcher diefe Kopie 9 Jahre nach Boccaccio's Tode von dem Originale deſſelben genommen hat. Daß es auch Boccaccio ſelbſt vielleicht zu keiner offentlichen Erſcheinung beſtimmte, ergibt ſich auch wol aus den kleinen Nachlaͤſ⸗ ſigkeiten im Styl, die man doch hin und wieder in dem Werke antrifft.
Wenn ferner dieſe Novellen, ſo viel oder wenig da⸗ von oͤffentlich ſchon bekannt geworden waren, unter der da⸗ maligen Geiſtlichkeit auch eine gewaltige Gährung hervor⸗ brachten, ſo iſt doch eben gar nicht zu glauben, daß ſie auch unter den damaligen Gelehrten eben ſo viel Aufſehen gemacht haͤtten; denn Petrarcha, der doch ein ſo guter Freund des Boccaccio war, ſchreibt ſelbſt an ihn in einem Briefe, der leider ohne Datum iſt:„Dein Buch, was Du in unſerer Mutterſprache, und wie ich glaube, noch als junger Menſch, einmal geſchrieben haſt, iſt mir, ich weiß nicht wie und woher, zugekommen.“
Es iſt mir daher ſehr wahrſcheinlich, daß dieſe No⸗ vellen zuerſt von der Geiſtlichkeit verſchrieen wurden, wel⸗ che ihre unter dem Deckmantel der Froͤmmigkeit und Hei⸗ ligkeit begangenen Schandthaten darin zu Tage gofoͤrdert ſahen, und deshalb das Buch, deſſen Inhalt ſie verdamm⸗ ten, unter die verbotenen ſetzten, ja ſogar verbrennen lie⸗
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