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Sechſte Novelle. 179
Der Richter, welcher lieber eher ſich ſelbſt uͤber die Gewalt anklagen wollte, die er ihr hatte anthun wollen, als von ihr angeklagt zu werden, lobte vor⸗ erſt das junge Maͤdchen und ihre Standhaftigkeit, und um dieſer ſeinen Beifall geben zu koͤnnen, ſagte er alsdann das, was er gethan hätte. Denn eben darum, weil er eine ſolche vortreffliche Standhaf⸗ tigkeit an ihr geſehen haͤtte, habe er ſich ihr mit aller Liebe zugewandt und wuͤrde ſie, ware es nur derjenige, der ihr Vater waͤre und auch ſie ſelbſt zu⸗ frieden geweſen, trotz deſſen, daß ſie einen Mann von niedrigem Herkommen gehabt, gern zu ſeiner Frau genommen haben.
Waͤhrend dieſe mit einander ſprachen, trat An⸗ dreuola ihrem Vater vor die Augen, warf ſich mit Thraͤnen ihm zu Fuͤßen und ſagte: Mein Vater, ich glaube wol nicht erſt nothig zu haben, daß ich Dir die Geſchichte meines unternehmens und meines Mißgeſchicks erzäͤhle, denn ich bin uͤberzengt, daß
Du ſie gehoͤrt haſt und ſie weißt, und deshalb bitte ich Dich, ſo ſehr ich nur kann, wegen meines Feh⸗ lers um Verzeihung, daß ich, naͤmlich ohne Dein Wiſſen, denjenigen zum Manne genommen habe, der mir ſo gefiel. Und hierum bitte ich nicht, damit mir das Leben geſchenkt ſeyn moͤge, ſondern damit ich als Deine Tochter und nicht als Deine Feindin ſterb könne; dann fiel ſie weinend ihm zu Fuͤßen. Meſſer Negro, der ein alter Biedermann und ein Mann von Natur freundlich und liebevoll war, fing ſelbſt, da er dieſe Worte hoͤrte, an zu weinen,
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