Teil eines Werkes 
2. Bdchn. (1828)
Einzelbild herunterladen

nd nd n,

n.

Sechſte Novelle. 177

aber von der Waͤrterin auf das dringendſte aufge⸗ regt, da der Tag ſich immer mehr naͤherte, richtete ſie ſich auf, zog den Ring, durch welchen ſie ſich mit Gabriotto vermählt hatte, vom Finger und ſteckte ihn ihm an den Finger, indem ſie mit Thrä⸗ nen ſagte:

Theurer Mann, wenn Deine Seele jetzt meine Thraͤnen ſieht, oder wenn dem Koͤrper, nachdem jene ſich entfernt hat, keine Empfindung oder Gefuͤhl mehr bleibt, ſo nimm doch freundlich das letzte Ge⸗ ſchenk von der an, die Du im Leben ſo geliebt haſt.

Nachdem ſie dies geſprochen hatte, fiel ſie noch ein Mal halb todt uͤber ihn hin; dann kam ſie wie⸗ der zu ſich, erhob ſich und nahm zugleich mit der Waͤrterin das Tuch, auf welchem der Koͤrper lag, und Beide gingen damit zum Garten hinaus, nach ſeinem Hauſe ſich hinwendend.

Unterwegs traf es ſich zufaͤllig, daß die Diener der Polizei, welche gerade um dieſe Zeit eines an⸗ dern Vorfalles wegen hier gingen, ſie fanden und mit dem todten Koͤrper feſthielten. Andreuola, be⸗ gieriger nach dem Tode, als nach dem Leben, ſagte, da ſie die Polizeidiener erkannte, ganz frei:

Ich weiß, wer Ihr ſeyd und weiß, daß es mir nichts helfen wuͤrde, wenn ich auch entfliehen wollte, vielmehr bin ich bereit, mit Euch zu Eurem Herrn zu gehen und ihm zu ſagen, wie dies zuſammen⸗ haͤngt. Aber Keiner von Euch wage es, mich anzu⸗ greifen, wenn ich Euch gehorche, noch irgend etwas

Boccaccio's ſaͤmmtl. W. 3. 12