Siebente Novelle. 45
Aldobrandino nahm ſie, mit Thraͤnen in den An⸗ gen, freundlich auf, kuͤßte ſie alle auf den Mund und erklaͤrte mit wenigen Worten, daß er ihnen alle empfangenen Beleidigungen verziehe. Hierauf traten die Schweſtern und ihre Frauen, braun gekleidet, auch hinzu, welche von Madonna Ermelina, ſo wie von den andern Frauen liebreich empfangen wurden.
Nachdem ſie praͤchtig bei dem Gaſtmahl bewir⸗ thet worden waren, und alles, ſowohl fuͤr die Maͤn⸗ ner als auch fuͤr die Frauen, dabei nicht anders als lobenswuͤrdig, bis auf eins, ausgefallen war,— daß naͤmlich der friſche Schmerz, durch die dunkeln Klei⸗ der der Verwandten Tedaldo's dargeſtellt, zuweilen ein Schweigen hervorgebracht hatte, weshalb einige die⸗ ſen Plan und das von dem Pilger veranſtaltete Gaſt⸗ mahl auch ſehr tadelten,— ſo ſtand er, da er dies bemerkte, und nun nach ſeiner Dispoſition die Zeit gekommen war, alles aus dem Wege zu räumen, endlich auf, waͤhrend die Andern noch Fruͤchte aßen, und ſagte:
Nichts fehlt bei dieſem Gaſtmahl, um es recht froͤhlich zu machen, als Tedaldo; indeſſen, da Ihr ihn immer um Euch gehabt habt, und ihn nur nicht erkannt habt, ſo will ich ihn Euch zeigen.
Hierauf warf er den Pilgermantel und alles, was zu ſeinem Pilgeranzuge gehoͤrte, ab, und be⸗ hielt nichts an, als ein gruͤnſeidenes Jaͤckchen; da ward er von Allen mit groͤßter Verwunderung eine lange Zeit angeſtaunt und endlich erkannt, ehe ein


