Teil eines Werkes 
2. Bdchn. (1828)
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Siebente Novelle. 33

ins Haus zu kommen und Deine Familie zu beſu⸗ deln. Doch wozu rechne ich dies alles ſo ſorgfältig her? ſie klagen ſich ſelbſt an, ſo oft ſie ſich gegen Verſtändige auf dieſe Art entſchuldigen wollen. Warum bleiben ſie nicht lieber zu Hauſe, wenn ſie nicht glauben, enthaltſam oder fromm ſeyn zu kön⸗ nen? oder, wenn ſie es nun einmal ſeyn wollen, warum befolgen ſie nicht auch das ändere heilige Wort des Evangeliums: Chriſtus ſing an zu han⸗ deln und dann zu lehren? Moͤchten ſie doch auch zuerſt handeln, und dann Andere belehren. Ich habe in meinem Leben Tauſende geſehen, die nicht allein weltliche Frauen, ſondern auch welche aus den Kloͤſtern beliebäugelten, liebten und beſüch⸗ ten, und das waren gerade die, die den meiſten Lärm auf den Kanzeln machten. Solchen ſollten wir alſo nachfolgen? Thue ein Jeder, was er thun will, Gott weiß doch, ob er weiſe handelt. Aber geſetzt auch, Sie haͤtten das zugeben muͤſſen, was der Fra⸗ ter, der ſie ausſchalt, zu Ihnen ſagte, nuͤmlich, daß es das groͤbſte Vergehen waͤre, die eheliche Treue zu verletzen, iſt es nicht noch ein weit groͤbe⸗ res, einen Menſchen zu berauben? nicht das aller⸗ groͤbſte, ihn zu todten, oder ihn zu verbannen, daß er in der Welt ſich kuͤmmerlich durchquälen muß. Das wird doch ein Jeder zugeſtehen, daß eine Frau mit einem Manne in einer gewiſſen Vertraulichkeit ſteht, iſt ein ganz natuͤrliches Vergehen; aber ihn berau⸗ ben, ihn ums Leben bringen, oder ihn fortjagen, das kommt aus einer Schlechtigkeit des Herzens her. Voccaccio's ſämmtl. W. Z. 3