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Sechſte Novelle. 17 dachte doch Richard endlich, wenn er ſie mit dieſem Glauben gehen ließe, moͤchte wohl noch viel was Schlimmeres daraus erfolgen; er beſchloß alſo, ſich zu entdecken, und ſie aus dem Irrthume zu reißen, in welchem ſie ſich befand; er ſchloß ſie daher wie⸗ der in ſeine Arme, und hielt ſie ſo feſt, daß ſie gar nicht entkommen konnte, dann ſagte er zu ihr:
Meine ſuͤße Seele, ereifern Sie ſich nicht, was ich nicht auf dem einfachen Wege der Liebe fuͤr Sie erhalten konnte, hat Amor mich durch Betrug zu er⸗ halten gelehrt, ich bin Ihr Richard.
Sobald Catella dies hoͤrte und ihn an der Stimme erkannte, wollte ſie den Augenblick aus dem Bette ſpringen, aber ſie konnte es nicht; nun wollte ſie ſchreien, aber Richard hielt ihr mit einer Hand
Mund zu und ſagte: Madame, was eben ge⸗ ſchehen iſt, kann inmer nehr ungeſchehen gemacht werden, wenn Sie abcch die ganze Zeit Ihres Lebens hindurch ſchrien; und wenn Sie denn auch ſchreien oder ſonſt etwas thun wollten, wodurch es irgend ein Menſch erfuͤhre, ſo wuͤrde zweierlei daraus her⸗ kommen. Das erſte, und warum es Ihnen eben doch nicht wenig zu thun ſeyn muß, waͤre, daß Ihre eigene Ehre und Ihr guter Ruf verloren gehen wuͤrden; denn, wenn Sie auch immerhin ſagten, daß ich Sie durch Liſt hierher gelockt hätte, ſo wuͤrde ich ſagen, das waͤre nich wahr, vielmehr haͤtte ich Sie durch Geld und Geſchenke hierher gelockt, die ich
Ihnen verſprochen haͤtte; allein, weil ich mein Ver⸗
ſprechen nicht ſo erfullt, wie Sie geglaubt, ſo Voccaccio's ſammtl. W. 3. 2


