8—
8 5 5
nit nd es, ies bei
Sechſte Novelle.
Wahrhaftig, der hat die Gedanken bei jener Frau, mit der er morgen ſeine Luſt und Freude zu haben denkt; aber fuͤrwahr, das ſoll nicht geſchehen! Und mit dieſen Gedanken und Einbildungen, was ſie ihm ſagen wollte, wenn ſie mit ihm allein ſeyn wuͤrde, brachte ſie die ganze Nacht zu. Doch was weiter?— Da die Zeit der None gekommen war, ging Catella, ohne ihren Eutſchluß auch nur im mindeſten zu aͤndern, mit ihrer Gefaͤhrtin nach dem Bade, welches ihr Richard geſagt hatte, und da ſie das alte Weib hier fand, fragte ſie dieſe, ob Phi⸗ liypello an dieſem Tage hier geweſen waͤre?
Das alte Weib, von Richard geſtempelt, ant⸗ wortete ihr: Seyd Ihr die Dame, die, um mit ihm zu reden, hierher kommen ſoll?
Catella gab zur Antwort: Ja, ich bin's!
Wohl, ſagte das alte Weib, ſo geht nur zu
ihm.
Catella, die das ſuchte, was ſie eben nicht zu finden wuͤnſchte, ließ ſich nach dem Zimmer hinfuͤh⸗ ren, in welchem Richard war, und mit ver⸗ huͤlltem Kopfe eingetreten, ſchloß ſie hinter ſich zu. Sobald Richard ſie kommen ſah, erhob er ſich, empfing ſie in ſeine Arme, und ſagte ganz leiſe: Willkommen, o Du mein Leben!
Catella, um zu zeigen, daß ſie eine ganz Andere wäre, als ſie wirklich war, umarmte und kuͤßte ihn und bewies ihm die groͤßte Zaͤrtlichkeit, ohne ein Wort zu ſprechen, da ſie fuͤrchtete, daß, wenn ſie ſpräche, ſie von ihm erkannt werden moͤchte.


