Teil eines Werkes 
2. Bdchn. (1828)
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Sechſte Novelle. 7

ferſüͤchtig waͤre, daß ſie von jedem Vogel, der in der Luft flöge, glaubte, er nähme ihn ihr.

Da Richard von Catella's Eiferſucht gehoͤrt hatte, faßte er, um zu ſeinem Vergnuͤgen zu gelan⸗ gen, einen ganz andern Entſchluß, that, als wenn er an Catella's Liebe verzweifelte, und als habe er nunmehr ſeine Liebe einer ganz anderen edeln Frau zugewendet, ſtellte ſich auch, als wenn er aus Liebe fuͤr dieſe anfinge, Waffenſpiele zu betreiben, zu tur⸗ nieren und alles dergleichen zu thun, was er aus Liebe zu Catella einſt zu thun pflegte. Dies hatte er noch nicht lange fortgeſetzt, als faſt alle Neapoli⸗ taner und Catella ſelbſt, der Meinung waren, daß er nicht mehr Catella'n, ſondern dieſe andere Dame vorzuglich liebe; und hierbei beharrte er ſo lange, bis man ſich allgemein feſt davon uͤberzeugt hielt, ſo daß nicht allein die andern, ſondern Catella ſelbſt die Unzufriedenheit fahren ließ, die ſie um der Liebe willen, die er fuͤr ſie bewies, gegen ihn hegte, und ihn freundlich, wie einen Nachbar, wenn er kam und ging, begruͤßte, ſo wie jeden Andern.

Hierauf begab es ſich, da eine große Hitze ein⸗ getreten war, daß mehrere Geſellſchaften von Damen und Herren, nach neapolitaniſchem Gebrauch, zu ihrem Vergnuͤgen an die Kuͤſten des Meeres hingingen, um dort zu Mittag und zu Abend zu ſpeiſen.

Da Richard erfahren hatte, daß Catella mit ihrer Geſellſchaft dahin gegangen waͤre, ging er mit ſeinen Bekannten ebenfalls dahin, und als er in die Geſellſchaft der Damen Catellas aufgenommen