—
Sechſte Novelle. 201
ner Amme ſchicken moͤchte, und erzaͤhlte ihm der Reihe nach alles, was von Seiten Conrads fuͤr Gottfried und die Mutter waͤre gethan worden.
Meſſer Gasparino wunderte ſich ſehr, da er dieß hoͤrte und ſagte: Allerdings wuͤrde ich fuͤr Con⸗ rad thun, was ihm gefiele und was nur in meinen Kraͤften ſteht; es iſt auch andem, daß ich, es moͤgen wohl vierzehn Jahr her ſeyn, den Knaben im Hauſe gehabt habe, und auch ſeine Mutter, die ich ihm Beide gern ſchicken wuͤrde; aber ſage ihm in meinem Namen, er moͤchte ſich in Acht nehmen, ihm nicht zu viel trauen, oder gar die Maͤhrchen glauben, die Johann erzaͤhlt hat, der ſich heute Gottfried nennt, denn es iſt ein viel ſchlechterer Kerl, als er vielleicht ſelbſt glaubt. Und nachdem er ſo geſpro⸗ chen, erzeigte er dem braven Manne zwar alle Ehre, ließ ſich aber doch im Stillen die Amme rufen, und forſchte ſie vorſichtig uͤber alles aus.
Sobald dieſe von der Rebellion in Sizilien ge⸗ hoͤrt und erfahren hatte, daß Heinrich noch lebte, ließ ſie alle Furcht fahren, die ſie bis jetzt gehabt hatte, ſagte ihm alles ganz ordentlich, und zeigte ihm den Grund an, warum ſie die Gruͤnde, nach welchen ſie gehandelt, ſo feſt befolgt haͤtte.
Da Meſſer Gasparino ſah, daß die Reden der Amme mit denen des von Conrad Geſendeten voll⸗ kommen uͤbereinſtimmten, fing er an ihren Worten Glauben beizulegen, ſtellte, als ein liſtiger Mann, auf eine und die andere Art Unterſuchungen hieruͤber an, und da er immer mehr Gruͤnde fand, die ihn in


