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Sechſte Novelle. 199
durch ſeine Eingebung in Conrad eine ſolche Gute erweckt haͤtte, daß er Johann mit ihr verbunden.
Dieſen ſah nun Madame Beritola, auf die Wor⸗
te, die ſie von Conrad ſo eben gehoͤrt hatte, ſchaͤr⸗ fer an, und da eine innere geheime Kraft bei ihr die Erinnerung an die Geſichtszuͤge ihres Sohnes aus den Kinderjahren her, erweckte, lief ſie, ohne noch irgend eine andere Hinweiſung zu erwarten, mit ausgebreiteten Armen ihm an den Hals; aber die uͤbermächtige Liebe, und die muͤtterliche Frohlich⸗ keit verſtatteten ihr nicht, ein Wort hervorzubringen⸗ vielmehr laͤhmten ſie jede Kraft ihrer Sinne, und ſie ſank wie todt in die Arme des Sohnes.
Dieſer, obgleich er voll Verwunderung daſtand, erinnerte ſich allerdings, daß er ſie mehrmals vor⸗ her in dieſem Schloſſe geſehen, und niemals erkannt haͤtte; jetzt aber erkannte er ſogleich den muͤtterlichen Zug, und indem er ſich ſelbſt uber ſeine bisherige Fahrlaͤſſigkeit Vorwuͤrfe machte, ſchloß er mit Thraͤ⸗ nen ſie in ſeine Arme und kußte ſie zaͤrtlich.
Aber ſobald nur Madame Beritola, liebevoll von Conrads Gemahlin und Spina unterſtuͤtzt, durch friſches Waſſer und andere dergleichen Kuͤnſteleien, ihre entflohenen Kraͤfte wieder in ſich zuruͤckgerufen hatte, umarmte ſie ihren Sohn unter tauſend Thraͤ⸗ nen wieder von neuem, und kuͤßte ihn mit muͤtter⸗ licher Zaͤrtlichkeit immer wieder, wogegen er ſie mit kindlicher Ehrfurcht anblickte und an ſein Herz
druͤckte. Nachdem aber die zuͤchtigen und froͤhlichen Um⸗


