Teil eines Werkes 
1. Bdchn. (1827)
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Sechſte Novelle. 191 mend und kaum etwas uͤber ſechzehn Jahre alt war, ihre Augen auf Johann warf und er die ſeinigen auf ſie, ſo daß ſie Beide heiß in einander verliebt wur⸗ den; dieſes Lieben hlieb nicht lange ohne Wirkung, doch aber dauerte es einige Monate, ehe ein Frem⸗ der nur das Geringſte davon gewahr ward. Hier⸗ durch ſicher gemacht, wurden ſie weniger vorſichtig, als es dergleichen Dinge verlangen; und da ſie eines Tages in einem ſchoͤnen und dicken Gehoͤlz mit ein⸗ ander ſpazieren gingen, vertieften ſie ſich darin ſo ſehr, daß ſie ihre andere Geſellſchaft ganz und gar zuruͤckließen. Da ſie glaubten, ſie waͤren vor den Andern ein gut Stuͤck Weges voran, ruheten ſie an einem angenehmen Orte, der voller Blumen und Kraͤuter, und rings mit Baͤumen umſchloſſen war, aus, und fingen an die Freuden der Liebe zu genie⸗ ßen. Nachdem ſie lange Zeit auf dieſe Art mit ein⸗ ander zugebracht, denn die große Wonne hatte ihnen die Zeit weit ſchneller vergehen laſſen, wurden ſie zuerſt von der Mutter, und dann von Conrad ſelbſt uͤberraſcht. Tief uͤber alle Maßen betruͤbt, als er dieß ſah, ließ er, ohne nur ein Wort fuͤr ſeinen Grund weiter zu ſagen, ſie von dreien ſeiner Die⸗ ner feſtnehmen, und gebunden in eins ſeiner Schloͤſ⸗ ſer bringen. Knirſchend vor Zorn und Wuth wollte er ſie auf die ſchmaͤlichſte Art ſterben laſſen. Die Mutter, obgleich auch ſie ſehr aufgebracht war, und die Tochter wegen ihres Fehlers der haͤrteſten Strafe wuͤrdig hielt, konnte es dennoch nicht ertragen, was Conrad gegen die Schuldigen im Sinne hatte und