Teil eines Werkes 
1. Bdchn. (1827)
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Sechſte Novelle. 185 ſie zu ſuchen. Aber da ſie einſah, daß ihre Muͤhe vergebens waͤre, und da ſie bemerkte, daß die Nacht hinzukaͤme, hoffte ſie, ohne zu wiſſen was, und fing nun an, um ſich ſelbſt bekuͤmmert zu werden; ſie ent⸗ fernte ſich daher vom ufer und kehrte nach der Hoͤhle zuruͤck, wo ſie gewoͤhnlich zu weinen und zu klagen pflegte.

Nachdem alsdann die Nacht in großer Furcht und unſaͤglichem Schmerz zugebracht war, der neue Tag erſchien, und neun Uhr herannahete, mußte ſie, vom Hunger gezwungen, da ſie den Abend vorher nichts gegeſſen hatte, ſich entſchließen, ſich mit einigen Kraͤutern zu ſättigen, und nachdem ſie dieſe genoſſen, uͤberließ ſie ſich weinend den mancherlei Gedanken uͤber ihr zukuͤnftiges Leben. Ganz in die⸗ ſe verſunken, ſah ſie eine Ziege kommen, welche in eine nahe Hoͤhle hineinging, dann bald wieder her⸗ auskam und ſich im Gebuͤſche verlohr; ſie ſtand da⸗ her ſchnell auf, ging da hinein, wo die Ziege her⸗ ausgekommen war, und ſah daſelbſt zwei junge Zie⸗ gen, die wohl denſelben Tag erſt geboren zu ſeyn ſchienen. Nichts Angenehmeres und Suͤßeres konnte ihr auf der ganzen Welt ſeyn als dieſes, und da ihr von der letzten Niederkunft die Nahrung noch nicht vergangen war, legte ſie ſie zaͤrtlich an ihre Bruſt. Dieſe, den Dienſt nicht verweigernd, ſogen ſo, als ſie an der Mutter gethan haben wuͤrden, und mach⸗ ten auch nachher keinen Unterſchied mehr zwiſchen der Mutter und ihr. Auf dieſe Art ſchien es der guten Frau, als haͤtte ſie an dieſem einſamen Orte