Teil eines Werkes 
1. Bdchn. (1827)
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Zweiter Tag⸗

Die Frauen hatten eben ſo, wie die jungen Män⸗ ner, die Schickſale des Andreas, ſo wie ſie Fiam⸗ metta erzaͤhlt hatte, ſehr belacht, als Emilie merk⸗ te, daß die Novelle beendigt war, und auf Befihl der Koͤnigin alſo anfing: Die mannichfaltigen Be⸗ wegungen des Schickſals ſind oftmals ſehr druͤckend und kummervoll, und ſo oft irgend etwas daruͤber geſprochen wird, ſo oft wird unſer Gemuͤth davon aufgeweckt, welches ſonſt leicht bei ſeinen Schmeiche⸗ leien eingeſchläfert werden konnte; ich bin daher der Meinung, es duͤrfte wohl niemals unangenehm ſeyn, ſowohl fuͤr Gluckliche, als auch fuͤr Ungluͤckliche, der⸗ gleichen mit anzuhoͤren, indem dadurch die Erſteren vorſichtig, und die Andern getroͤſtet werden. Und mag auch gleich ſchon viel Großes vorher daruͤber geſagt worden ſeyn, ſo beabſichtige ich doch, Euch daruͤber eine Novelle zu erzaͤhlen, die nicht weniger wahr als intereſſant iſt, und die, wenn ſie auch gleich ein froͤhliches Ende nahm, doch mit ſo lang⸗ wieriger Bitterkeit erfuͤllt war, daß ich ſelbſt kaum glauben moͤchte, die erfolgte Freude haͤtte ſie jemals wieder verſuͤßen koͤnnen.

So wiſſet denn, geliebte Maͤdchen, daß nach dem Tode des Kaiſers Friedrich des Zweiten Man⸗ fredi zum Koͤnig von Sizilien gekroͤnt ward. In großem Anſehen ſtand bei ihm ein Edelmann aus Neapel, Namens Heinrich Capece, welcher zur Ge⸗ mahlin eine ſchoͤne und edle Dame, ebenfalls aus Sizilien, hatte, mit Namen Madonna Beritola Ca⸗ racciola. Da dieſer Heinrich die Regierung der In⸗