42 Erſter Tag.
Wohl dann, ſagte die Koͤnigin, wenn Euch dies fuͤr den erſten Abend gefaͤllt, ſo will ich, daß es einem Jeden frei ſtehe, uͤber den Stoff zu ſprechen, der ihm am meiſten zuſagt; und zu Pamphilus ſich wendend, der zu ihrer Rechten ſaß, ſagte ſie freund⸗ lich, daß er mit einer Erzaͤhlung fuͤr die Anderen, den Anfang machen moͤchte.
Sobald Pamphilus den Befehl vernommen hatte, und Alle auf ihn yoͤrten, fing er ſeine Erzählung alſo an:
Erſte Novelle.
Ser. Ciappelletto hintergeht mit einer falſchen Beichte einen frommen Bruder, und ſtirbt; und ob er gleich ein ſehr ſchlechter Menſch im Leben geweſen war, ſo wird er doch im Tode fuͤr einen Heiligen gehalten und der heilige Ciappelletto genannt.
Schicklich iſt es, geliebte Damen, daß alles, was der Menſch thut, in dem bewunderungswuͤrdi⸗ gen und heiligen Namen Deſſen angefangen werde, welcher der Schoͤpfer aller Dinge iſt; darum iſt es meine Abſicht, da ich, als der Erſte, Euer Erzäh⸗ len anfangen ſoll, mit einer ſeiner wunderbaren Tha⸗ ten zu beginnen, damit, nach Nnhoͤrung derſelben, unſere Hoffnung auf ihn, als etwas Unwandelbares, ſich befeſtige, und immer ſein heiliger Name gelbbt ſeyn moͤge. Was Bekanntes iſt es, daß, ſo wie die zeitlichen Dinge alle vergaͤnglich und ſterblich ſind, ſie auch in ſich und außer ſich dem Kummer, Schmerz und Truͤbſal, und unendlichen Gefahren worfen ſind, gegen die wir Alle ganz unfehlbar, nachdem


