22 Erſter Tag. jeder Voruͤbergehende eine zahlloſe Menge ſehen konnte: dann ließen ſie Bahren bringen und legten ſie dar⸗ auf, Andere aber, in Ermangelung dieſer, auf Ti⸗ ſche. Auch lagen auf einer einzigen Bahre wohl zwei oder gar drei; ſo wie es auch wohl ſich ereig⸗ nete, und deren mag man wohl mehrere Faͤlle auf⸗ zaͤhlen koͤnnen, wo Mann und Frau, zwei oder drei Bruͤder, oder Vater und Sohn zuſammen lagen. Unendliche Male geſchah es auch, daß, wenn zwei Prieſter mit dem Kreuze einen vegleiteten, ſich drei oder vier Bahren, von Traͤgern getragen, an dieſe hinten anſchloſſen, und die Prieſter, wenn ſie einen Todten zu begraben glaubten, ſechs, acht und wohl gar noch mehr hatten. Dieſe wurden denn auch durch keine Thraͤne, oder Kerze oder Begleitung geehrt, vielmehr war es ſo weit gekommen, daß man ſich damals uͤber die Menſchen, welche ſtarben, nicht mehr bekuͤmmerte, als man ſich heut zu Tage uͤber die Ziegen bekuͤmmert. Daher ſieht man ſehr deut⸗ lich, daß ſogar Einfaͤltige verſchmitzt und leichtſinnig wurden, um groͤßere übel mit Geduld zu ertragen⸗ was der gewoͤhnliche Lauf der Dinge durch kleine und ſeltene Ungluͤcksfaͤlle bei den Kluͤgeren nicht hätte zu Wege bringen koͤnnen.
Bei dieſer großen Menge von Leichnamen, wel⸗ che alle Tage, ja faſt alle Stunden, haufenweiſe nach allen Kirchen hingetragen wurden, war geweihte
Erde zu den Begraͤbniſſen nicht hinreichend vorhan⸗ den, beſonders da man nach alter Sitte doch einem Jeden ſeine eigene Stelle geben wollte; man machte


