Teil eines Werkes 
16 (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

474

für That nimmt, das mag Euer Beichtvater entſcheiden. Das Kind, welches Ihr zu tödten befohlen, lebt, meine Tochter lebt mir zur Luſt und Freude, und ich werde ſie lieben, wie ich meine andern Töchter liebe, ich werde ſie ſo groß und glücklich machen, wie es mir irgend der Himmel vergönnen mag.

Der Graf ſaß in ſtummer Zerknirſchung, Conſtanze hatte mit einem Kreiſch die Arme nach dem Könige aus⸗ geſtreckt, als wolle ſie von ihm die unbekannte Gabe empfangen, hatte die Augen im Zimmer umher geworfen, als ſuche ſie, was ſie nie gekannt und doch geliebt; zu⸗ letzt rang ſie mit einer Ohnmacht.

Faſſe Dich, Freundin meiner Seele! Der Augenblick fordert Kraft und Beſonnenheit, wollen wir nicht Gift zum ſüßen Becher miſchen! Er ſchritt zum Eingange und ſtieß beide Flügelthüren auf. Sein erſter Blick fiel auf den Viscount von Levingſtone, der mit mehreren Ge⸗ fangenen zwiſchen den hochländiſchen Wächtern ſtand. Der rohe Jäger war wie ein Wachsbild geworden, und in ſeinen ſcheuen Augen, auf ſeinen bleichen Lippen ſtand deutlich das Jammerwort: Gnade! das die gelähmte Zunge nicht auszuſprechen vermochte.

Ihr habt Eure rechte Hand verwettet, Viscount, und wir haben die Wette gewonnen, ſprach Jakob hart und wie im Zorne. Es wird Schade ſeyn um die ſchußſichern Finger, wenn ſie am Pfahle auf dem Markte zu Air im Sonnenbrande dörren müſſen.

Der kräftige Menſch ſtürzte wie vom Blitze getroffen in die Kniee und riß ſeinen Sohn Alexander an ſeine Bruſt: Gnade, Sire! brüllte er wie ein verendender Keiter. Der tolle Herzog verführte uns Alle. Aus dem heißen Becher guoll unſer Unſinn. O nur keinen ſchimpf⸗ lichen Tod um dieſes ſchuldloſen Buben willen, keine Schande! Ei, wie brüllſt Du nun in anderer Melodie, Du papierner Tiger! ſagte der König ſpöttiſch. Wie ſagte der Agyle? Es verſaufen mehr in dem Becher als in dem Bache. Und wer das Unkraut vertilgen will, muß die Wurzeln nicht ſtehen laſſen, denn Verräther zeugen Verräther! ſetze ich hinzu ais einen gleich wahr⸗ haften Volksſpruch.