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Schlüſſel zur Win berden und wüſtem Herrnwort, ohne Aufſchub den Zeugen ſeiner Schande fortzuſchaffen, das Kind dahin zu tragen,
keltreppe, befahl mir mit wilden Ge⸗
wo des Meeres Brandung an die Felſen ſchlägt, und es den Fluten zu übergeben. Bitten, Beſchwörung, Mah⸗ nung an Gottes Gebot, an die Stunde der Rechenſchaft, Alles das war leerer Schall am Ohre des Wüthigen; er drohte ſelbſt auszuführen, was er befohlen, drohte, mein Zeugniß blutig zu vertilgen bei neuer Widerſetz⸗ lichkeit. Ich nahm die entſetzliche Bürde und ging. Und vollführteſt die Schandthat? raste der Prinz auf. Ich war der ohnmächtige, an Gehorſam gewöhnte Knecht, und wußte damals noch nicht, was V heißt und was ein Kind vor den Augen der Eltern, antwortete Draff mit gedrückter Stimme. Herbſtſtürme tobten um die Schloßmauern wie Weltuntergang, und auch mein Blut ſchlug ſtürmiſch gegen die Wände mei⸗ ner Bruſt, als wollte es den Sünder erſticken vor der That, doch an meinem Ohre ſummte der böſe Feind mit der Stimme des Grafen: Du mußt gehorchen! In mei⸗ nem Hirn ging es um wie ein brauſendes Mühlrad, doch durch das wüſte Getöſe klang dieſelbe Stimme: Du mußt gehorchen! Ich legte meine Bürde auf mein Faulbett und ſuchte nach einem Tragkorbe, ſuchte nach Mantel und Mütze. Dann horchte ich nach dem Bette hin und dachte: Stürbe es doch vor der That! Aber ich hoͤrte leiſes Athmen und raffte meine verwirrten Sinne zuſammen ünd verſuchte zu eilen. Die Leuchte brannte, der Korb ſtand vor mir, der armſelige Sarg für die bülfloſe Unſchuld, den Sproß der edelſten Geſchlechter. Und es war mir, als dürfte ich ſolch edles Blut nicht ohne WMitgift in die Fremde ſtoßen, denn längſt ſtand mein
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ater ſeyn


